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Mein "bester Freund" und Geschichten von Stan

Mein bester Freund

Zur Einführung der Geschichte erst mal, besonders für alle Nichtalkoholiker, ein kleines bisschen über das was, man unter anderem hier lernt. Es gibt einen Unterschied zwischen Alkoholmissbrauch und Alkoholismus. Erstes ist der Übergang fließend und selber, selbst im Nachhinein, weiß/merkt man es nicht. Nur der Missbraucher kann es noch schaffen, Alkohol kontrolliert zu trinken. Nur was ist kontrolliert? Selbst wer nur ab und zu trinkt, begibt sich in die Gefahr, zum Alkoholiker zu werden, wenn er nämlich zu denen gehört, die bis zum Abwinken saufen. Es gibt hier Leute, sind fast die meisten, denen würde man es nicht ansehen oder glauben, dass sie Alkoholiker sind. Zum Beispiel ein Rechtsanwalt, der seit Jahren drei Monate arbeitete, dann eine Woche Urlaub nahm. In dieser Woche ließ er sich 24 Stunden am Tag vollaufen

---> Alkoholiker.

Oder viele, die unter der Woche gar nichts trinken, aber sich schon die ganze Woche auf`s Wochenende freuen, um dann drei Tage sich den Kick zu geben

---> Alkoholiker.

Vielen schmeckte der Alkohol nicht mal. Oder so wie bei mir: Bin ein so genanter Spiegeltrinker, der einen bestimmten Pegel haben möchte/mußte, sich aber sehr selten betrinkt.

 ---> Alkoholiker.

Mit diesem Spiegel ging ich dann natürlich zu Partys, Grillfesten usw. Das heißt mit einem Alkoholspiegel, bei dem andere schon total betrunken sind. Trotzdem konnte ich immer noch auf der Party selbst mit den besten Trinkern mithalten oder getreu dem Motto: „Dich trinke ich untern Tisch und wieder hoch“.

Alkoholiker und Missbraucher haben ein Enzym gemeinsam: Die Leber entwickelt bei zu häufigem und zu vielem Alkohol ein Enzym: „MEOS“, das bewirkt, dass die Leber mehr und schneller Alkohol verarbeiten kann, doppelt so viel wie bei anderen. Dieses Enzym bekommt man, wenn es erst mal da ist, sein Leben lang nicht weg, man kann es nur einschlafen lassen, deswegen ist ein Alkoholiker bei einem Rückfall sehr schnell wieder bei seinen alten Trinkgewohnheiten und Mengen. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen ist nur ein, bildlich gesehen, Schalter im Kopf, der sofort, bei der kleinsten Menge Alkohol, umschaltet auf MEHR.

So, nun zum meinem besten Freund: War eine Geschichte von dem neuen Gruppensprecher. Der hing fast immer nur so teilnahmslos rum, dachte man, aber er passte sehr gut auf und wenn er dann mal etwas sagte, hatte das „Hand und Fuß“ und war sehr oft witzig. Es war in der Gruppentherapie um Rückfall gegangen. Fast alle hatten schon ausprobiert, kontrolliert zu trinken und verloren... Unser Gruppensprecher meinte, wenn man den Alkohol mit einem Menschen vergleicht, dann wäre ER unser bester Freund und versucht alles, das auch zu bleiben.

Aber der Alkohol ist in Wirklichkeit unser schlimmster Feind. Er tarnt sich und taucht bei den unerwartesten oder sogar (am häufigsten) bei alltäglichen Gelegenheiten auf. Wenn er wirklich ein Mensch wäre, dann hätte man ihn längst zum Teufel geschickt oder ermordet, oder beides. Alkohol kostet die Existenz, Gesundheit, Partnerschaft und das Privatleben. „So ein Arschloch soll mein Freund sein? Das ist kein Freund, sondern eine linke Sau, der alles nur ruinieren will. Er lügt permanent und gaukelt einem vor, dass er die Probleme löst“. Sein Motto: DEIN TREUER BEGLEITER BIS IN DEN RUIN!

Aber er hat ja so allerlei Tricks drauf: Zum Beispiel bei dreißig Grad im Biergarten kommt er als „hübsches kühles Blondes“. Darauf kann man dann reinfallen, oder man sagt sich: „Ey Alder, super Strategie, aber du bist und bleibst ein Arsch und nicht mein bester Freund, du Sau“. Oder er tarnt sich als Gedanke: „Ach komm`, einer kann ja nicht schaden...“ Natürlich ist er auf dem Altstadtfest schon vorher da. Bei Partys, Festen und dergleichen ist er Dauergast. Oder als Tradition: Auf Silvester mit Sekt anstoßen oder zum Geburtstag. Er bleibt aber unser Feind, ob es bei den Säufern, Quartalssäufern oder nur den Missbrauchern ist.

Bei über 50 % aller Alkoholiker schafft er es nach einer Therapie, innerhalb von zwei Jahren einen Rückfall zu produzieren. In den ersten zwölf Wochen nach einer Therapie sind es sogar schon 25 % und das hauptsächlich bei routinierten Alltagsabläufen.

Also an alle Nichtalkoholiker: Sagt nicht zu uns: „Das schaffst Du schon, Du bist doch stark“ (vielleicht sind wir gar nicht so stark), oder sagt ihr zu einem Krebskranken: „Das bisschen Krebs, das besiegst Du schon“. Wir wollen....

es schaffen ???

Hofft einfach mit uns, dass wir es schaffen, setzt UNS nicht noch unter Druck.

Die Angst vor dem Versagen führt oft genug dazu.

 

Mein Freund Stan            

Ich sprach mit Stan über seine Familie, die hatte ihn kontrolliert und überwacht, wegen seinem Alkoholkonsum. Meine Frage: „Wie hast Du das empfunden? Hast Du Dich nicht wie ein kleines unmündiges Kind gefühlt?“ „Ja natürlich,“ meinte er, „aber so schlau wie die bin ich schon lange.“ Ich musste lachen, war wieder mal typisch. Wir Alkoholiker sind halt nicht so, wie sich alle einen typischen Alkoholiker vorstellen, selbst wir haben uns ja einen typischen Alkoholiker ganz anders vorgestellt und u. A. deswegen immer abgestritten, das zu sein.

Jedenfalls trifft es auf sehr sehr viele zu, die ich dort kennen gelernt hatte: Die meisten Alkoholiker scheinen hilfsbereiter zu sein, nachdenklicher, sensibler und einige sogar schlauer als der Normalbürger. Die meisten müssen hier lernen „NEIN“ zu sagen. Fast alle sind „Superschauspieler“.

Stan meinte: Durch das Misstrauen und Kontrollieren trinkt man halt irgendwann heimlich. Sei es grundsätzlich, oder um die Mengen zu kaschieren. Und wenn wir das nicht super geschafft hätten und es uns nicht hätten anmerken lassen, dass wir betrunken sind, dann wären wir nicht hier gelandet. Weil was passiert denn, wenn man heimlich trinken muss? Erst ist es sicherlich wie ein Sport: Die mich überwachen? Lachhaft! Und man trinkt gar nicht mehr mit Genuss, sondern man muss schnell trinken und trinkt dann auch fast immer zu viel, weil man ja nicht weiß, wann man das nächste Mal trinken kann.

Also treibt genau dieses heimliche Trinken einem in die viel schnellere Abhängigkeit. Hätte man das nicht machen müssen, wären viele sicher nur beim Alkoholmissbrauch geblieben und hätten kontrolliert trinken können. Ich selber hatte nie heimlich getrunken, nur am Wochenende hatte ich immer eine Flasche Schnaps in Reserve, aus der ich heimlich zwischendurch trank, damit niemand wirklich mitbekam, wie hoch mein Alkoholkonsum war.

Das ist genauso, wie wenn Alkoholiker beim Autofahren erwischt werden: Sie müssen pusten und dann zur Blutabnahme, weil der Promillegehalt zu hoch ist. Was machen sie, wenn sie nach der Blutabnahme vom Arzt weiter untersucht werden? Sie spielen mal wieder ganz stolz den Nüchternden: Seht her, ich habe doch gar nicht soviel getrunken.

Dabei ist doch klar, dass es kurz nach dem Pusten oder der Blutprobe Fakten gibt, die genau zeigen wie hoch der Blut-alkoholanteil wirklich ist.

So wie ein Patient, der trotz 2,8 Promille im Blut so nüchtern erschien, dass er zweimal pusten musste, weil die Polizisten und der Arzt, nicht glauben konnten, was sie sahen. Schlimmer noch bei einem anderen Patienten, der knapp unter 1,6 Promille lag. Zum besserem Verständnis: 1,6 Promille ist die Grenze, ab der angenommen wird, dass derjenige alkoholabhängig ist, oder zu mindestens sehr viel Alkohol gewohnt ist. Ein normaler Mensch kann mit 1,6 Promille nicht mal mehr vernünftig gehen. Also muss jemand, der mit teilweise noch viel mehr Promille beim Autofahren erwischt wird, das gewohnt sein und abhängig sein. Über 1,6 bedeutet dann: Der Erwischte MUSS zur MPU, zur Medizinisch/Psychologischen Untersuchung. Besteht er die nicht und sie ist sehr schwer, gibt es keinen Führerschein zurück oder man darf ihn nicht neu machen.

Einer auf unserer Etage konnte früher unter drei Promille gar kein Auto mehr fahren, weil er dann schon Entzugserscheinungen bekam. Sein Blutalkohol lag ja auch bei 4,8 Promille, gepustete 5,4 Promille, als er erwischt wurde.

Wieder zurück zu dem Patienten, der knapp unter 1, 6 lag. Wenn der Arzt bei der Untersuchung festgestellt hätte, dass er soviel Alkohol gut verträgt, dann hätte er ihm auch Verdacht auf Alkoholismus bescheinigen müssen. Also auch dann MPU. Gut in so einem Fall: Die meisten Ärzte kennen sich nicht wirklich mit Alkoholismus aus.

Man kann jedem Erwischten nur raten: Tue so als ob Du selten trinkst, also falle mindestens zweimal um, wenn Du auf dem weißen Strich gehen musst. Lalle und benehme Dich total daneben, also total betrunken. Falle zwei Mal auf den Arzttisch, bis der kaputt ist und wenn es geht, kotze ins Zimmer. Dann ersparst Du Dir sehr viele Unannehmlichkeiten.

Samstag Morgen ging ich mit Stan einkaufen. Als wir zurück kamen, musste er den anderen sofort in seinem Deutschpolnisch erzählen: „Hab’ ich heutä Harry`s wahre Bestimmung gesähen. Wir waren doch einkaufen und keiner glaubt, was is’ passiert. Ihr keennt doch Penner, die so mit Einkaufwagen und eine Decke und Flasche Schnaps und anderes laufen über Strassse. Also wir waren über Parkplatz fast schon an Hauptstraße und Harry schob immer noch das Einkaufswagen, so wie wäre er sein Lebbe lang schon Penner. Ich musste fragen ihn: Was machst Du? Wo willst Du hin mit Wagge?“

Alles einschließlich mir lag fast auf dem Boden vor Lachen, aber Stan: „Ne wirrklich, das stimmt, ich schwörre, oder stimmt nicht, Harry?“

Ich sagte dazu nur: „Stan hat recht, das war so. Aber nur weil wir uns so angeregt unterhalten hatten“.

„Ne, stiemmt niecht,“ meinte Stan, „ ich habbe gar nichts gesagt, ich habe nur Diech beobachtet und gessähhe Deine Zukunft. Wenn ich nix gesacht hättä, dann Du wärrest bis Klink, mit Deine Wagge, ich lüge nich.“

Zum Abschluß eine Geschichte die ich schon auf meiner ersten Homepage im Jahre 2001 veröffentlicht habe, seitdem geistert sie durch das Internet, der Eine oder Andere kennt sie schon, ich habe sie passender Weise auf Stan umgeschrieben:

Stan bei McDoof (fast erfunden, aber so ist er wirklich….)                                      

Stan sucht ab und zu Bestätigung, dass viele Menschen nur dumme Knechte sind, zum Beweis fährt er mit mir zu einem Drive-In-Schalter, in diesem Fall zu seinem Lieblings-Fast-Food-Restaurant. Das Vergnügen an dieser Selbst-Bedienungs-Version des Essens auf Rädern wird allerdings erheblich durch die Qualität der Gegensprechanlage gemindert. Gegensprechanlage?

Meiner Überzeugung nach, hat sie diesen Namen deshalb bekommen, weil sie völlig gegen das Sprechen ausgelegt ist. „Hiere Bechelun hippe!" knarzt es uns aus dem Lautsprecher entgegen    -   da waren ja Schellackplatten besser.

Aus Erfahrung allerdings weiß man, das sich die Stimme (männlich? weiblich?... wohl eher männlich!?) am anderen Ende dieses Dosentelefons soeben nach einer Bestellung erkundigt hat. „Ich möchte gerne das vom letzen Mal, das schmeckte auch nicht.“ beginnt Stan das Match. Irgendwie verstehen Stan und ich nur: „Dann gehen sie doch nach „Burger King“… oder so…. Ein WITZBOLD, na klasse….. Jetzt einfach bestellen, ist Stan eh` zu langweilig. Demzufolge stellt er zunächst eine Frage: „Haben Sie etwas vom Huhn?" Aus dem Lautsprecher ertönt ein schwer verständliches Wort, das aber eindeutig mit „...icken" endet. Stan antworte: „Später vielleicht, zunächst möchte ich etwas essen." Etwas lauter tönt es zurück: „CHICKEN!" Stan kann es sich nicht verkneifen: „Nein, ich würde es gleich selbst abholen." Eine kurze Pause entsteht, Stan und ich stellen uns belustigt die genervte Visage des McKnecht vor. Als die Sprechpause zu lang zu werden droht, sagt er: „Ach so, Sie meinen Chicken! Nö, lieber doch nicht. Haben Sie vielleicht Presskuh mit Tomatentunke in Röstbrötchen?" „Hamburger?" fragt sein unsichtbares Gegenüber zurück.

Der Wahrheit entsprechend erwidert er: „Nein, ich bin von hier, nur der neben mir ist ein gebürtiger Fischkopf. Aber hat das denn Einfluss auf unsere Bestellung?" „Wol-len Sie ei-nen H-a-m-b-u-r-g-e-r?" „Jetzt beruhigen Sie sich mal! Ja, wir nehmen zwei." „Schieß?"

„Stimmt, hatte ich nach meiner letzten Mahlzeit hier. Mittlerweile ist meine Darmflora allerdings wieder wohlauf, ich denke, ich kann es erneut riskieren."

Der Stimminhaber beginnt uns ein wenig Leid zu tun. Er kann ja nichts für den Job.

Aber Stan ja auch nicht... „Ob Sie KÄÄÄSE auf die Hamburger möchten!?" „Ah ja, gern. Wir nehmen einen mittelalten Pyrenäen-Bergkäse, nicht zu dick geschnitten, von einer Seite leicht angeschmolzen." Ob die nächste Ansage aus dem Lautsprecher „Sicher doch" oder „A...loch" lautet, können Stan und ich nicht exakt heraushören. Deutlicher jedoch erklingt nun: „Was dazu?" „Doch, ja. Wir hätten gerne diese gesalzenen frittierten Kartoffelstäbchen.“ „Also Pommes?“ „Von mir aus auch die.“ „Groß, mittel, klein?“ „Gemischt. Und zwar jeweils genau zu einem Drittel große, mittlere und kleine."

„WOLLEN SIE MICH EIGENTLICH VERARSCHEN?" Diese, wiederum sehr laut formulierte Frage, versteht Stan klar und deutlich. Sie verlangt eine ehrliche Antwort: „Falls das die Bedingung ist, hier etwas zum essen zu bekommen: Ja. Also: Machen wir weiter?" Die Stimme schnauft kurz und fragt: „Gut, gut. Etwas zu den Pommes?" „Zwei schöne Entrecôte, blutig, und zwei Gläser 1996er Spätburgunder, bitte."

"ICH KOMM DIR GLEICH RAUS UND GEB DIR BLUTIG!!!"

„Machen Sie das, aber verschütten Sie dabei bitte nicht den Wein, aber seit wann „duzen“ wir uns?" „Schluss jetzt, Schalter zwei, vier Euro fünfzehn!" Schon vorbei. Gerade, als es anfängt, lustig zu werden. Aber Stan hat noch ein As im Ärmel: Er zahlt mit einem 200-Euro-Schein: „Tut mir leid, aber ich hab's nicht größer." PIEP! ... Freundlich wird er ausgekontert: „Kein Problem." Mit kaltem Blick lässt ein bemützter Herr sein Wechselgeld auf den Stahltresen klappern. Nicht mit Stan, Freundchen! Er will den Triumph! Zeit also für's Finale: „Kann ich bitte eine Quittung bekommen?", fragt er überfreundlich. „Ist ein Geschäftsessen."
Wrote und Wrahnhneumg...
Ncah eneir Sutide der Cmabridge Uinervtistät, ist es eagl in wlehcer Riehenfloge die Bcuhstbaen in eneim Wrot sethen, haputschae der esrte und ltzete Bcuhstbae snid an der rhcitgien Setlle. Der Rset knan ttoaels Drucheniandedr sien und man knan es torrztedn onhe Porbelme lseen, wiel das mneschilhce Gherin nhicht den Bcuhstbaen enizlen leist, snodren das Wrot als Gnazes. 

 

                                                

Wenn ich Dich kenne, könnte es vorkommen das Du in meinem Buch vorkommst, dafür entschuldige ich mich zur Sicherheit. 

 

"Abenteuer Therapie" © 2008 Harry Schröder  |  info@abenteuertherapie.de